German

Kleiner Haushalt  (c1839)

Einen Haushalt klein und fein
Hab' ich angestellt;
Der soll mein Gast sein,
Dem er wohlgefällt.
 
Der Specht, der Holz mit dem Schnabel haut,
Hat das Haus mir aufgebaut;
Daß das Haus beworfen sei,
Trug die Schwalbe Mörtel bei,
Und als Dach hat sich zuletzt
Obendrauf ein Schwamm gesetzt.
 
Drinnen die Kammern
Und die Gemächer,
Schränke und Fächer
Flimmern und flammern;
Alles hat mir unbezahlt
Schmetterling mit Duft bemahlt.          
 
O wie rüstig in dem Haus        
Geht die Wirtschaft ein und aus.          
 
Wasserjüngferchen, das flinke,
Holt mir Wasser, das ich trinke;
Biene muß mir Essen holen,
Frage nicht, wo sie's gestohlen.
 
Schüßeln sind die Eichelnäpfchen,      
Und die Krüge Tannenzäpfchen,        
Messer, Gabel –
Rosendorn und Vogelschnabel.
 
Storch im Haus ist Kinderwärter,
Maulwurf Gärtner,
Und Beschließerin im Häuslein
Ist das Mäuslein.         
Aber die Grille
Singt in der Stille,        
Sie ist das Heimchen, ist immer daheim
Und weiß nichts als den einen Reim.
 
Doch im ganzen Haus das Beste
Schläft noch feste.
 
In dem Winkel, in dem Bettchen,
Zwischen zweien Rosenblättchen
Schläft das Schätzchen Tausendschönchen,
Ihm zu Fuß ein Kaiserkrönchen.
Hüter ist Vergißmeinnicht,
Der vom Bette wanket nicht;
Glühwurm mit dem Kerzenschimmer
Hellt das Zimmer.
 
Die Wachtel wacht
Die ganze Nacht,         
Und wenn der Tag beginnt,
Ruft sie: Kind! Kind!  
Wach' auf geschwind.  
 
Wenn die Liebe wachet auf,
Geht das Leben raschen Lauf.
 
In seid'nen Gewändern,
Gewebt aus Sommerfaden,
In flatternden Bändern,
Von Sorgen unbeladen,
Lustig aus dem engen Haus
Die Flur hinaus.
 
Schönen Wagen
Hab' ich bestellt,
Uns zu tragen
Durch die Welt.           
 
Vier Heupferdchen sollen ihn
Als vier Apfelschimmer ziehn;
Sie sind wohl ein gut Gespann,
Das mit Rossen sich messen kann'
Sie haben Flügel,         
Sie leiden nicht Zügel,
Sie kennen alle Blumen der Au
Und alle Tränken von Tau genau.
 
Es geht nicht im Schritt;
Kind, kannst du mit?
Es geht im Trott!         
Nur zu mit Gott!          
 
Laß du sie uns tragen
Nach ihrem Behagen;
Und wenn sie uns werfen vom Wagen herab,
So finden wir unter Blumen ein Grab.
 
— Friedrich Rückert
English

Tiny Household

A fine little home
I have set up;
My guest will be
Whomever it pleases.
 
The woodpecker, cutting wood with his beak,
Has built the house for me;
So that the house is plastered
The swallow has provided mortar,
And as a roof, finally,
A toadstool sits on top.
 
Inside, the chambers
And the apartments,
Cupboards and shelves
Shine and sparkle;
Without charging me at all
The butterfly has painted everything.
 
O how briskly through the house
My housekeepers go in and out!
 
Dragonfly, the nimble one,
Fetches water for me to drink;
The bee must fetch me food,
I don't ask where she's stolen it.
 
Acorn cups are dishes,
And fir cones are jugs,
Knife, fork -
Rose thorn and bird beak.
 
The stork is the nanny,
The mole - gardener,
And the butler of the tine house
Is the mouse.
But the cricket
Sings in the stillness,
She's so homey, she is always at home
And knows nothing but the one tune.
 
But the best one of the whole house
Is still sleeping soundly.
 
In the corner, in the cot,
Between two rose leaves,
Sleeps my darling daisy,
At her feet is a crown-imperial.
Watching over her is a forget-me-not,
Who never budges from her bedside;
The glowworm with his candle shimmer
Lights up the room.
 
The quail keeps watch
The entire night,
And when day begins,
She cries, "Child! Child!
Wake up quickly."
 
When my love wakes up,
Life goes at a swift pace.
 
In silken garments,
Woven of gossamer,
In fluttering ribbons,
Not burdened by care,
Gaily from our tiny house
We go out into the meadow.
 
A fine carriage
I have ordered,
To carry us
Through the world.
 
Four grasshoppers shall pull it
Like four dapple-greys;
They sure make a good team,
They can match any steed;
They have wings,
They don't suffer from reins,
They know all the flowers in the meadow
And each drinking hole of dew.
 
This is no walking pace;
Child, can you keep up?
We're going at a trot!
God help us!
 
Let them carry us
However they please;
And if they fling us from the wagon,
We'll find a grave under the flowers.